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19.5.2012 : 11:25 : +0200

Tai-otoshi

Tai-otoshi ist für mich in erster Linie ein Handwurf (Te-waza), bei dem Uke durch Druck und Zug meiner Hände und Rotation meines Oberkörpers (Zugrichtung um meine Körperachse, aufrechte Körperhaltung) über mein aufgestelltes Bein geworfen wird. Das Bein muss dabei nicht zwangläufig Ukes Bein blockieren - wenn mein Bein jedoch Ukes (vorkommendes) Bein berührt, dann unterhalb seines Knies, um Verletzungen zu vermeiden. Mein aufgestelltes Bein drehe ich so, dass mein Knie zur Matte zeigt, um notfalls nach unten zur Matte ausweichen zu können, wenn Ukes Bein mein Knie gefährden würde.
Kumi-kata: Häufige Kampfsituation für mich als Linkskämpfer ist der Griff "rechts-gegen-links", dabei fasse ich mit der linken Hand an Ukes Revers, mit der rechten Hand an Ukes linkem Ärmel etwa in Höhe von Ukes Ellenbogen. Dabei achte ich darauf, Ukes Kimono so zu greifen, dass ich möglichst viel Stoff kontrolliere und damit direkte Kontrolle über Ukes linke Hand und Arm erreiche.
Uke, als Rechtskämpfer hat in der Regel ebenfalls mit seiner linken Hand an meinem rechten Arm gegriffen - durch die Kontrolle des Armes muss ich verhindern, dass Uke selbst die Kontrolle über meinen Zugarm gewinnt.
Ukes rechte Hand in meinem Revers oder an meiner Schulter kann zum Problem werden, wenn Uke hier gegen meine Eindrehbewegung sperrt - dies kann ich verhindern, indem ich diesen Griff vorab löse (z.B., in dem ich mit meiner linken Hand von unten gegen Ukes Arm drücke und sie nach oben wegschiebe), meinen Griff setze und direkt eindrehe.
Uke kann durch Zug an meinem rechten Arm und Druck gegen meine linke Schulter oder Griff über meine Schulter auf meinen Rücken verhindern, dass ich meinen Tai-otoshi eindrehen und werfen kann.
Beim Eindrehen bzw. Werfen setze ich meinen linken Unterarm gegen Ukes Oberkörper beziehungsweise gegen Ukes rechte Achselhöhle. Die rechte Hand zieht Ukes Arm kreisförmig in Wurfrichtung, dabei halte ich meinen Ellenbogen vom Körper abgespreizt, um möglichst große Bewegungsfreiheit zu haben.
Kawaeshi-Eingang: Mit meinem rechten Bein kreuze ich vor meinem linken Bein und setze meinen rechten Fuß möglichst weit nach links schräg vor Uke. Dann drehe ich mich auf meinem rechten Fuß nach links und stelle mein linkes Bein vor Ukes linkem Bein mit nach unten zur Matte gerichtetem Knie auf. Dieser Eingang muss sehr schnell ausgeführt werden, damit Uke nicht mein rechtes Bein angreifen kann, während ich mich auf dem Bein drehe.
Gibt mir Ukes Griff nicht die notwendige Freiheit für den Kreuzschritt und die schnelle Drehbewegung des Kawaeshi-Eingangs, kann ich dies ausgleichen, indem ich mich nach links versetzt zu Uke stelle, mich dann um den rechten Fuß drehe und mein linkes Bein vor Uke aufstelle. Dabei ziehe ich Ukes Oberkörper möglichst weit nach vorne, um Uke bereits aus dem Gleichgewicht zu bringen (Pulling-out).
Ukes Reaktionen:
· Sperren durch Zug an meinem rechten Arm und Kontrolle meiner linken Schulter
· Blocken durch Schwerpunktverlagerung nach unten, um evtl. mit seinem Knie von hinten die Eindrehbewegung zu stoppen und das Abwerfen zu verhindern
· Übersteigen über mein aufgestelltes Bein
ð dabei Gewichtsverlagerung nach vorne auf das übersteigende Bein
ð mit anschließendem Blockieren (Reaktion nach hinten)
Mein Handlungskomplex:
Wenn Uke durch Griff sperrt:
ð Griff lösen, nachsetzen
ð Nach Antäuschen von Tai-otoshi,links Wechsel zu Soto-maki-komi,rechts oder Seoi-nage,rechts
ð Mit Kesa-gatame beenden
Wenn Uke blockiert, aber nicht übersteigt:
ð Wechsel zu Ko-uchi-maki-komi, rechts oder links
ð Wechsel zu O-uchi-gari, rechts oder links
ð Beim nächsten Angriff auf komplett andere Technik setzen - z.B.Kawaeshi-Eingang für Tai-otoshi antäuschen, O-soto-gari rechts werfen
Wenn Uke über mein aufgestelltes Bein übersteigt
- und dabei sein Gewicht nach vorne verlagert:
ð Mit linker Hand Griff über Ukes Arm in Gürtel und Uchi-mata nach vorne werfen, evtl. als Can-can-Technik
ð mitgehen in den Boden (Übergang Stand-Boden)
ð Kesa-gatame
- und dabei blockiert/sein Gewicht nach hinten verlagert:
ð O-uchi-gari an Ukes übergestiegenem Bein ansetzen, Wurf durch Druck nach rechts hinten
ð Nachgehen (Übergang Stand-Boden), erst zwischen Ukes Beinen, dann geht Knie über Ukes Bein
ð Kesa-gatame
Trainingsmöglichkeiten:
Die Bewegungsabläufe des Tai-otoshi lassen sich z.B. durch folgende Übungsformen trainieren:
· Tandoku-renshu
· Uchi-komi (Kuzushi und Tsukuri)
· Nage-komi (Kuzushi, Tsukuri und Kake)
· Randori
Zur Kräftigung der Arme und Verfestigung der Zugbewegung für Tai-otoshi gibt es z.B. folgende Möglichkeiten:
· Zugübungen mit dem Partner (z.B. , Uke soll sich "schwer" machen, Ziehen aus Ukes sitzender Position, eine dritte Person hält Uke fest...)
· Zugübungen mit Hilfe eines Gürtels
· Zugübungen mit dem Theraband, z.B. an einer Spossenwand
· Zugübungen im Kraftraum an Geräten
Die Reaktionen auf Ukes Verhinderungsmanöver lassen sich am Besten dadurch trainieren, dass Uke im Randori die Aufgabe erhält, seinen Widerstand zu erhöhen (Butsugari-geiko) oder bestimmte Reaktionen bevorzugt einzusetzen (Yakusoku-geiko), z.B.:
· Griff-Kampf rechts gegen links - Uke soll sperren, Tori muß Griff lösen, dann ansetzen
· Uke soll immer aussteigen
· Uke soll immer blocken
Die Schnelligkeit und Explosivität der Eingänge sind bei Tai-otoshi entscheidend über den Erfolg der Technik, dies läßt sich gut trainieren z.B. durch:
· Schnelligkeits-Uchi-komi (möglichst viele Eingänge in vorgegebener Zeit, Pyramide - Eingänge auf Schnelligkeit in steigender, dann wieder abnehmender Anzahl, letzte Ausführung mit Wurf)
· Nage-komi mit mehreren direkt nacheinander angreifenden Partnern
· Randori mit mehreren Partnern nacheinander (Kakari-geiko) => Stabilisierung der Technik unter Wettkampfbedingungen