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19.5.2012 : 11:18 : +0200

Über die Judo Kata

Kata, ein Üben nach Vereinbarung, war für alle klassischen kriegerischen Künste in Japan die Grundtrainingsart. Die meisten Ju Jitsu Schulen (Ryu) kannten kein Randori [freies Üben]. Viele der gelehrten Techniken waren bei nicht eingeübter Ausführung tödlich. Deshalb wurden sie in Form von Kata unterrichtet, bei denen zunächst Situationen des Schlachtfeldes nachstellen oder Scheingefechte mit oder ohne Bewaffnung vereinbart wurden.

Nur auf diese Weise konnten die Krieger ihre Kampfkünste ohne größere Verletzungen mit den Mitgliedern ihrer Ryu ausüben. Kata bedeutete eifriges, hingebungsvolles Exerzieren, um den Bushi (Ritter) zur Reife in der Technik und zu geistiger Scharfsinnigkeit zu führen. S0 spielte Kata eine bedeutende Rolle bei der Vollendung des Gleichgewichts zwischen körperlichen und geistigen Kräften. Kata als Grundlage der klassischen japanischen Kriegskünste stellte die Elemente der Einfachheit, natürlichen Wirksamkeit, Harmonie, Eingebung (lntuition), Wirtschaftlichkeit der Bewegung und das Prinzip der Sanftheit in den Vordergrund.

Die japanischen Ritter (Bushi) kämpften in der Regel berufsmäßig für lokale Fürsten oder die Zentralregierung. Gründlich und umfassend studierten und entwickelten sie viele Arten von Waffen und Kampfesweisen für den Kampf. lm frühen 16. Jahrhundert hatten sich einige tausend Schulen für die Ausbildung in kriegerischen Künsten (z. B. Ju Jitsu) entwickelt. Ju Jitsu war ursprünglich Bestandteil eines größeren Systems, das auch den Gebrauch des Schwertes (Ken Jitsu) und anderer Waffen einschloss.

In diesen Kata überlieferten die Ryu die teilweise Jahrhunderte alten kriegerischen Erfahrungen, die zumeist nicht niedergeschriebenen, sondern nur aus dem körperlichen Gedächtnis des jeweiligen Meisters mündlich oder durch Kata von Generation zu Generation entweder in der Familie oder an den befähigtsten Schüler weitergegeben wurden.

Jigoro Kario (28.Oktober 1860 — 4. Mai 1938) studierte in einer Vielzahl dieser alten Schulen die geistigen Hintergründe der einzelnen Lehrsysteme sowie die Schlag-, Tritt-, Wurf-, Halte- und Hebeltechniken und die ihnen zu Grunde liegenden Prinzipien.

Prinzipien

In Kata werden wichtige technische und geistige Prinzipien und Wirkungsweisen des Judo in Reinform unter idealisierten Verhaltensweisen dargestellt, während Randori und Shiai versuchen, diese Prinzipien auch unter widrigen Umständen um und durchzusetzen, Kata gibt deshalb genau die Ausgangsstellung, Schrittfolge und -art, Angriffsziel und Abwehr, Wurf- und Fallrichtung usw. vor. Das Üben und die Ausführung von Kata erfordern vor allem ein hohes Maß an Disziplin, das im Wettkampfund reinen Üben fehlt. Kata ist deshalb insbesondere eine Judo—Übungsform zur Eigenkontrolle, ein Kampf mit sich selbst, sowohl geistig als auch körperlich. Sie schärft zugleich den Blick nach innen für Körperwahrnehmung und Technikausführung in funktionaler und ökonomischer Hinsicht. Tori leistet keinen unmittelbaren Widerstand. Auf Ukes Angriff gibt er geschickt nach oder weicht reaktionsschnell aus, neutralisiert und lenkt die gegnerische Kraft um oder nimmt sie auf. Er bewahrt stets sein eigenes Gleichgewicht völlig und stört sicher das des Gegners. Erst nachdem er auf diese Weise Ukes Angriffsinitiative gebrochen hat, wird Tori selbst aktiv und demonstriert fehlerfrei und umsichtig seine eigene ernsthafte Abwehr. So erreicht er eine große Wirksamkeit bei geringem eigenen Aufwand (sei ryoku zenyo, d.h., bestmöglicher Einsatz von Geist und Körper odertechnisches Prinzip).